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Spa, 23. August 1991
Alljährlich gelingt einigen Nachwuchspiloten der Sprung in die Formel 1. Meist
werden diese Neulinge abwartend gemustert. Ganz nach dem Motto: Mal sehen ob aus
dem etwas wird. Bestenfalls heisst es: Ja, der könnte Karriere machen.
Am 23. August 1991 war alles ganz anders: Michael Schumacher betrat die GP
Bühne. Trotz des Duells zwischen Ayrton Senna und Nigel Mansell war am Abend des
ersten Trainingstags im belgischen Spa-Francorchamps der deutsche Rookie
Gesprächsthema Nummer Eins.
Der Rheinländer belegte nach dem ersten Qualifying Rang Sieben! Da wurde selbst
Superstar Ayrton Senna hellhörig. "Der ist hier wirklich noch nie zuvor
gefahren?" fragte der Brasilianer ungläubig. Sogar der dreifache Ex-Weltmeister
Jackie Stewart kam nicht umhin den Formel 1 Anfänger hervorzuheben: "Es sieht
tatsächlich so aus, als komme da ein wirkliches Ausnahmetalent. Wenn er so
weitermacht, kann er in vier, fünf Jahren Weltmeister sein. So lange haben wir
alle gebraucht, uns den Titel zu holen-Niki Lauda, Ayrton Senna und auch Jackie
Stewart." Während der Schotte den Mann aus Kerpen bereits als Piloten der
Zukunft pries, fragten japanische Journalisten noch: "Ist das ein Sohn des
berühmten deutschen Fussball Torwarts?" Und Michael Schumacher selbst? Der blieb
trotz der Lobeshymnen auf dem Teppich. Michael Schumacher ist ein Junge aus dem
Leben. "Der Rummel überrascht mich etwas. Ich weiss, dass ich noch viel zu
lernen habe und liess es bisher dementsprechend vorsichtig angehen..."
In einem Stadium, in dem sich andere Formel 1 Einsteiger noch ehrfurchtsvoll
über die Kohlefaser-Chassis äussern, fuhr dieser junge Mann den meisten alten
Hasen bereits um die Ohren und versicherte dabei noch glaubhaft, behutsam ans
Werk zu gehen. Wobei man festhalten muss: Der Jordan-Ford 191 gehörte in diesem
Jahr nicht zu den langsameren Formel 1 Boliden. Was der 5. WM Rang im
Schlussklassement von 1991 unter Beweis stellt.
Schon bei den vorausgegangenen Testfahrten verblüffte Michael Schumacher.
Bereits nach wenigen Runden fuhr er so schnell dass den Männern der Jordan Crew
an der Boxenmauer die Haare zu Berge standen. Schumacher wurde per Signaltafel
zum Rapport an die Boxen beordert. "Wenn du in Spa fahren willst, dann lass das
Auto heil - ein anderes haben wir nicht für dich. Du sollst dich vorsichtig an
den Wagen gewöhnen!" Michael Schumacher verstand die Welt nicht mehr. "Genau das
tue ich doch. Ich habe doch noch gar nicht richtig Gas gegeben..." Das tat er dann,
und pulverisierte problemlos den Testrekord des Jordan Stammpiloten Andrea de Cesaris. So ganz nebenbei auf Reifen, die einen solchen Auftritt eigentlich
nicht erlaubten. Es fehlte nicht viel, und die Entdeckung des Jahres 1991, die
Erinnerungen an den jungen Ayrton Senna weckt, hätte ihr Können niemals
entfalten können. Schon als Kind fuhr er Karts - nicht weil die Eltern viel Geld
besassen, sondern weil der Vater als Bahnwart auf der Kart Piste von Kerpen
arbeitet. Das Hobby des kleinen Michael strapazierte das Familien Budget so arg,
dass Michael in Abfalleimern nach Reifen suchte, die von anderen Fahrern
ausrangiert waren. Er gewann auch auf diesen ausgelutschten Gummis. Aber alle
Teile findet man nicht auf dem Sperrmüll. So kam der Tag an den sich Michael
Schumacher noch heute erinnert: "Mein Vater kam zu mir und sagte, wir müssen mit
dem Kart Sport aufhören, er sei zu teuer." Auch wenn er damals noch nicht von
einer Profi Karriere, ja nicht einmal von der Teilnahme an "richtigen"
Autorennen träumte, traf ihn der väterliche Offenbarungseid tief.
Zu seinem Glück griff ein Freund der Familie in die Tasche und kam für weitere
Kosten auf. Von diesem Zeitpunkt an gab es kein Zurück. Aber selbst als er im
Team seines Freundes und Managers Willi Weber deutscher Formel 3 Champion wurde,
dachte er noch nicht ernsthaft an den Grand Prix Sport. Dieses Ziel nahm erst
dann ernsthaft Gestalt an, als ihn Mercedes als Junior Piloten für die Gruppe C
verpflichtete. Im Rennstall der Silberpfeile von Peter Sauber erhielt der
Rohdiamant Schumacher seinen Feinschliff. "Es ist phantastisch", denkt er
zurück, "wie gut ich dort gemeinsam mit Karl Wendlinger auf höhere Aufgaben
vorbereitet wurde. Sowohl was das Fahren PS starker Autos mit Kohlefaser Bremsen
und anderen Hightech Details, als auch den Dialog mit den Ingenieuren und die
Arbeit neben der Piste betrifft, wurden wir perfekt geschult. Ganz speziell
sogar mit Blick auf die Formel 1! Damals plante Mercedes ja noch den Einstieg in
den GP Sport und ich war als einer der Piloten vorgesehen. " (20 Jahre später
ist es endlich so weit!)
Wenn Michael Schumacher heute mit der Sensibilität eines Seismographen Schwächen
eines Boliden fühlen, und die erkannten Schwächen präzise wie ein Routinier in
Worte kleiden kann, die Mercedes Schule legte hierfür den Grundstein.
Nach der Gala in Spa - auch wenn er am Renntag in den Ardennen wegen eines
Kupplungsschadens nur wenige hundert Meter weit kam - schnappte sich Benetton
das Talent. Im Team von Flavio Briatore sammelte er in den wenigen verbleibenden
Rennen bis zum Saisonende 1991 nicht nur vier WM Punkte, die ersten zwei schon
zwei Wochen später in Monza, er demontierte auch den alternden Ex Weltmeister
Nelson Piquet. Dieser musste neidlos mitansehen wie ihm das Greenhorn fast
regelmässig davonfuhr. Trotz der frühen Erfolge dämpfte Michael Schumacher
euphorische Erwartungen. Er ist Realist. Auf die selbstgesteckten Ziele für das
Rennjahr 1992 angesprochen, antwortet er nach kurzem Zögern: "Ich will möglichst
oft ins Ziel kommen. Ich muss noch immer sehr viel lernen und weiss genau, dass
noch viele Rückschläge lauern."
10 Jahre später: ein Rückblick
Wenn Boris Becker immer behauptet hat: "Wimbledon ist mein Wohnzimmer", dann
gilt ein ähnlicher Vergleich auch für die Formel 1: Spa ist Michael Schumachers
Wohnzimmer.
Die berühmte belgische Ardennenstrecke beherrscht er mit schlafwandlerischer
Sicherheit. 1991 hatte er in Spa debütiert, weil bei Jordan plötzlich ein
Cockpit frei wurde, "Kennst du Spa?" fragte der irische Teamchef Eddie Jordan.
Micheal Schumacher bejahte, woraus Jordan folgerte: Der muss dort schon gefahren
sein. In Wahrheit war der Kerpener 150 km von Spa aufgewachsen, aber nie zuvor
in Spa gewesen, lernte dann aber die Strecke durch zwei Runden mit dem Fahrrad
kennen und schlief in einer Jugendherberge.
Wenn man heute die "Wunderkinder" Jenson Button, Kimi Raikkönen oder Fernando
Alonso bestaunt, was war dann 1991 mit Schumacher? Sensationeller Siebenter im
Qualifying, der damals grüne Jordan so weit vorne wie nie zuvor. Leider hatte
Michael Schumacher im Rennen schon nach der ersten Kurve einen Kupplungsschaden
und blieb nach der Eau Rouge stehen. Aber die Sternstunde blieb nicht verborgen.
"Was hältst du von dem jungen Deutschen?" fragte ein deutscher Reporter damals
Ayrton Senna. Antwort: "Der ist sehr gut, so gut dass er einmal Weltmeister
werden kann, ja, dieser Junge hat das Zeug zum Weltmeister.
Ein Jahr später (1992), längst zu Benetton gewechselt, gewann Michael Schumacher
in Spa seinen ersten Grand Prix, schlug die damals überlegenen Williams-Renault
Fahrer Nigel Mansell und Ricardo Patrese um 36 bzw. 43 Sekunden. Wie war das
möglich? Mit sehr viel Rennintelligenz, die sich zum ersten Mal deutlich zeigte.
Michael Schumacher sollte an die Box, Reifen wechseln, rutschte aber kurz von
der Strecke, wodurch ihn sein Teamkollege Martin Brundle überholte. Schumi: "Ich
konnte mir Brundles Reifen genau ansehen, die sahen immer noch wie neu aus. Also
beschloss ich, dass ich mir den ersten Reifenwechsel erspare. Die Reifen hatte
schon Jung-Schumi immer für wichtig gehalten.
Was Schumacher in seinen Anfangsjahren rasch gelernt hatte: Es gibt in diesem
Business keine Überflieger, was Prost, Mansell, Senna können, kann ich auch.
Zwei Mal kollidierte er -respektlos- mit Ayrton Senna, der ihn freundschaftlich
warnte: "Junge sei nicht so ungeduldig." Aber allen war rasch klar: Schumacher
ist keiner der Positionen herschenkt.
In Estoril bezwang er 1993 Alain Prost, den Weltmeister jenes Jahres in einem
Fotofinish um 0,982 Sekunden. Der Benetton, ein solides Mittelfeldauto, wurde
plötzlich, als Schumacher fuhr, besser und besser. Weil der Schumacher Faktor
zum Tragen kam: ein goldener Schlüssel für spätere Triumphe. Michael Schumacher
zeigte schon frühzeitig bei Benetton, was Ferrari Präsident Luca Montezemolo
heute an ihm so gewaltig lobt: Schumacher ist ein Motivator, der alle
mitreisst."
1994 dann endgültig der Durchbruch. Michael Schumacher wird Weltmeister mit acht
Siegen, obwohl er nur zwölf Rennen fährt, zweimal disqualifiziert, zweimal
gesperrt. Was für eine Saison mit vielen Pros und Kontras. Benetton hat sich
zwar als Topteam etabliert, aber Flavio Briatore und Co wird immer unterstellt,
dass es nicht mit rechten Dingen zugeht. Die Anfeindungen und Gerüchte gipfeln
in Schlagzeilen wie "Schummel Schumi", die Michael wahnsinnig ärgern. Wenn
wirklich jemand die Schuld treffen muss, dann sicher nicht ihn, sondern die
Techniker. Die aber unverändert voll des Lobs sind, denn Schumacher wird immer
perfekter. Einmal fällt die teaminterne Zeitmessung aus, aber Michael verblüfft
alle, indem er auswendig die letzten Runden und sogar Zwischenzeiten, die am
Display aufleuchten, herunterrattert, bis auf Zehntel und sogar
Hundertstelsekunden genau. Wie immer, wenn ein neuer Star auftaucht, regt sich
die Neidgenossenschaft der Formel 1. Der alte Spruch von Lotus Chef Colin
Chapman: "Gewinne einmal, und alle gratulieren und freuen sich mit dir. Aber
gewinne zweimal, und alle hassen dich." Und Schumacher hat 1994, von Interlagos
bis Jerez achtmal gewonnen. Er wird erster deutscher Formel 1 Weltmeister, aber
für manche nicht unumstritten.

Was sich 1995 ändert. Die letzten Zweifel an der Rechtmässigkeit seines ersten
WM Titels sind beseitigt. Michael Schumacher stürmt von Sieg zu Sieg, neunmal
insgesamt, verbessert sich von Rennen zu Rennen, kniet sich immer tiefer in die
Materie und perfektioniert mit seinen Ingenieuren alle Methoden zur Auto
Abstimmung. Der Kerpener, der als Junge die KFZ Mechanikerlehre gemacht hat,
wird immer mehr zum "rennfahrenden Ingenieur", der aber nicht nur analysiert,
sondern auch vorausdenkt. Als er in Brasilien bei knapp 300 km/h einen
gefährlichen Bremsdefekt hat: nicht der geringste Schock. "Ich bin immer auf
alles vorbereitet, was im Formel 1 Auto passieren kann, habe für alle
Eventualitäten den Ablauf im Hirn gespeichert: Was tu ich, wenn... Ich muss also
nicht erst nachdenken, sondern kann ganz automatisch reagieren."
Mchael Schumachers grösste Siege 1995: Spa -vom 16. Startplatz- und Nürburgring,
als er Jean Alesi aus einem 30 Sekunden Rückstand angreift und sensationell noch
gewinnt. Schumacher hat seinen Nürburgring als "mein bestes Rennen" eingestuft,
"sogar noch höher als Spa". Oft wird Michael Schumacher ersucht, seine Siege
oder WM Titel miteinander zu vergleichen, was ihm schwerfällt: "Im Moment ist
jeder Sieg der schönste, wichtigste und beste, und vor allem ist jeder Sieg
immer anders -von den Emotionen her."

1996 nach dem Wechsel zu Ferrari hat Michael Schumacher lange auf seinen ersten
Sieg für die Scuderia warten müssen. Schuld des Autos, nicht des Fahrers. "Ein
so schlechtes Formel 1 Auto wie 1996 bin ich nie gefahren. "Darum wollte er es
lange Zeit gar nicht in seine Sammlung aller je von ihm pilotierten Rennwagen
aufnehmen -als einziges Auto. Aber irgendwann ist es doch passiert.
War es die bittersüsse Erinnerung an Barcelona, seinen ersten Ferrari Sieg in
strömenden Regen, bei dem die Legende vom "Regenkönig Schumi" geboren wurde? "
er hat mit dem Ferrari auf nasser Strecke gesurft und getanzt" lobten ihn die
italienischen Medien zum ersten Mal enthusiastisch. "Der Mann, der übers Wasser
gehen kann." Oder noch poesievoller: "Der Mann, der aus Regenwasser Champagner
macht."
Ein kleines Geheimnis: Nach Barcelona bestellte sich Schumacher privat einen
Ferrari 250 Maranello und riskierte eine Wette mit seinem Präsidenten Luca
Montezemolo: "Wieviel Rabatt kriege ich auf dieses Auto?" Der Präsident: "50
Prozent wenn du dieses Jahr noch ein Rennen gewinnst." Darauf Schumi: "Und wenn
ich zwei Rennen gewinne?" Montezemolo: "Dann kriegst du das Auto umsonst."
Michael, der zu Beginn seiner Profikarriere mit 30.000 Mark Jahresgehalt absolut
happy war, auch bei Benetton bereits schönes Geld kassierte, weil sein tüchtiger
Manager Willy Weber immer wieder Gründe fand, um bestehende Verträge aufzulösen
und neu zu formulieren, gewann natürlich auch prompt in Spa und Monza. Und
verzückte nach der Siegerehrung die Weltpresse mit Corinnas süssem Geheimnis:
Ein paar Monate später kam seine Tochter zur Welt. "Gina" symbolisiert Papas
Liebe zu Italien, "Maria" seine Bodenständigkeit. Heute sagt Michael Schumacher
über seine Kinder Gina-Maria und Mick: "Denen ist es völlig egal, ob ich Rennen
gewinne oder nicht, und auch ich habe Enttäuschungen sofort vergessen, wenn ich
nach einem Rennen heimkomme und mir die Kinder entgegenlaufen. "Als die Kleine
1997 in Silverstone vor dem Start am Telefon zum ersten Mal "Papa" sagte, war
Schumi ganz gerührt: "Danach war mir das Rennen fast egal..."
1997 war wegen der schlechteren Aerodynamik weniger Trost nötig als 1996. John
Barnard der damalige Konstrukteur, hatte eine Williams Kopie gebaut, die nun
Ross Brawn und Rory Byrne zu betreuen hatten. Damit war wenigstens das alte
Benetton Erfolgstrio wieder vereint. Aber Schumacher bewies wieder seine
Parallelen zu Ayrton Senna: Egal mit welchem Auto, egal auf welcher Strecke, ab
der zweiten Kurve Vollgas, konstant am Limit. Auch Michael Schumacher, dem
geborenen und eigentlich schon immer kompletten Rennfahrer, hätte man alles
hinstellen können, was vier Räder hat -er bewegt den Rest.
Zum ersten Mal kämpfte Schumi mit Ferrari 1997 um den WM Titel, gewann fünf
Rennen, verlor aber die Titelchance beim grossen Showdown in Jerez de la
Frontera gegen Jacques Villeneuve durch die berühmte Kollision. "Das
Schwierigste für mich war, mir selber einzugestehen, dass es mein Fehler war."
Aber das hat bis zum Tag nach dem Rennen gedauert, so fokussiert war Schumacher
auf den WM Titel gewesen.
1998 schien es endlich so weit zu sein: sechs Siege, der dramatischste sicher in
Budapest, wo Ross Brawn Mitte des GP von Ungarn plötzlich seine Strategie
umstellte: "Wir haben eine Chance zu gewinnen, aber ich habe ausgerechnet: nur
mit einem zusätzlichen Boxenstopp". funkte Brawn seinen Piloten an. "Kannst du
in 18 Runden 23 Sekunden Vorsprung herausfahren?" Schumacher bejahte. Was
folgte, ging bekanntlich als die unglaublich "magischen 18 Runden von Budapest"
in die Renngeschichte ein. Ross Brawn bewies sein Genie, Schumacher seine
unheimliche Gabe, im Rennen eine Serie von Qualifikationsrunden hinzuzaubern:
jede Runde am absoluten Limit! Aber was hilft das, wenn im Finale in Suzuka die
Kupplung streikt? "Mindestens 20 verschiedene Strategien" hatten Michael
Schumacher und Eddie Irvine diskutiert, wie Schumacher Weltmeister werden kann,
nur eine nicht: dass der Ferrari Fahrer am Start stehen bleibt. Nach toller
Aufholjagd auf Platz 3 dann ein Reifenschaden, wieder eine WM Chance dahin. Aber
wie lange musste der Kerpener noch Ruhe und Geduld bewahren?
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1999 riss der Beinbruch in Silverstone -man hatte eine Schraube der
Bremsentlüftung vergessen- Ferrari und Schumacher aus allen Träumen. Jean Todt
war täglich am Krankenbett und sagt heute: "In dieser Phase wurden wir zu echten
Freunden." Schumacher hatte sich seit dem tödlichen Senna Unfall intensiv mit
Sicherheitsmassnahmen befasst, war auch einer der Mitinitiatoren der Grand Prix
Fahrergewerkschaft GPDA und legte sich, sicherheitsbewusst, aber auch im Namen
seiner Konkurrenten, mit FIA Präsident Max Mosley an. Die Reaktion auf ein
Schreiben der GPDA war damals: "Wenn die Formel 1 für Herrn Schumacher zu
gefährlich ist, muss er halt Tourenwagen fahren..." Aber Schumi hat es
geschafft, dass FIA und GPDA Gesprächspartner wurden. Heute funktioniert die
Zusammenarbeit reibungslos. Schumacher trägt immer mehr Verantwortung, auch für
seinen geliebten Ferrari Rennstall. Bei seinem Comeback in Malaysia 1999 glaubte
kaum jemand, Schumacher würde Irvine gewinnen lassen, um dessen WM Chancen zu
retten. Aber Michael Schumacher der das ganze Wochenende dominiert hatte, tat
es. Die Welt staunte: Schumacher identifiziert sich mit Ferrari, das war der
letzte Beweis, öffentlich und deutlich, dass die Nummer 1 der Formel 1 auch ein
echter Teamplayer sein kann.
Den WM Titel holte Schumacher dann 2000 nach: die Fotos mit den feuerroten
Perücken gingen um die Welt. Ferrari hatte 21 Jahre nach Jody Scheckter (1979)
wieder einen Weltmeister. Eine ganze Nation lag Schumacher zu Füssen, vor allem
weil er auch ein bisschen Italienisch gelernt hatte. "Ich liebe euch alle" sagte
Michael allen Ferraristi und allen Italienern zuletzt in Budapest. Und all jenen
die Schumacher plötzlich auch als Mensch entdeckten, sagte der Deutsche: "Ich
war schon immer der gleiche, ich habe mich nie verändert." Laut Montezemolo:
"Ein grossartiger Fahrer, ein grossartiger Mensch."
Aber wenn man genau hingeschaut hat: Das war er schon in Spa 1991...
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